Eine Kilowattstunde hat nicht immer denselben Marktwert
An der Strombörse ändern sich Preise mit Angebot und Nachfrage. Zeitweise werden sie negativ. Die Bundesnetzagentur weist für 2025 insgesamt 573 Stunden mit negativen Großhandelspreisen aus. Solche Phasen betreffen die Vermarktung eingespeister Energie, bedeuten aber nicht, dass jeder Stromkunde automatisch einen negativen Endkundenpreis erhält.
Für eine PV-Anlage ist deshalb nicht allein die Jahresmenge wichtig. Entscheidend ist auch, zu welchen Zeiten Energie eingespeist wird und wie der Vermarktungsvertrag diese Mengen bewertet. Ein Jahresdurchschnittspreis kann den tatsächlich erzielten Preis der eigenen Erzeugung nur unzureichend beschreiben.
Direktvermarktung und EEG-Zahlungen auseinanderhalten
Bei der Direktvermarktung wird eingespeister Strom über einen Vermarkter am Markt verkauft. Bei förderfähigen Anlagen kann daneben die Marktprämie relevant sein. Marktverkauf, mögliche Förderung und Gebühren sind getrennte Positionen. Welche Zahlungen beim Betreiber ankommen, hängt von Anlage, Förderregime und Vertrag ab.
Das EEG enthält für negative Spotmarktpreise besondere Regeln. § 51 sieht grundsätzlich vor, dass sich der anzulegende Wert in solchen Zeiträumen auf null reduziert; zugleich nennt die Vorschrift Ausnahmen. Für bestehende Anlagen sind außerdem die Übergangsbestimmungen und die jeweils maßgebliche Gesetzesfassung zu beachten. Eine pauschale Aussage für alle Baujahre wäre deshalb unzutreffend.
Ein Preisbeispiel richtig lesen
Als isoliertes Rechenbeispiel werden 100 kWh zu einem Börsenpreis von minus 5 Cent je kWh eingespeist. Der reine Marktwert dieser Menge beträgt dann minus 5 Euro. Das ist noch nicht die vollständige Abrechnung: Gebühren, vertragliche Regeln und mögliche Förderbestandteile müssen zusätzlich berücksichtigt werden.
Wird dieselbe Energiemenge zulässig vor Ort verbraucht, fällt sie nicht als Einspeisung in dieser Rechnung an. Ihr wirtschaftlicher Wert ergibt sich dann aus der eigenen vermiedenen Beschaffung oder dem vereinbarten Stromverkauf. Beides ist vom Betreiber- und Liefermodell abhängig. Der Nutzen darf nicht gleichzeitig als Einspeiseerlös und als vermiedener Einkauf angesetzt werden.
Flexibilität mit ihren Grenzen bewerten
Verbrauch zeitlich zu verschieben kann helfen, passende Solarerzeugung zu nutzen. Denkbar sind abgestimmtes Laden oder geeignete betriebliche Prozesse. Die Verschiebung muss jedoch zum Betrieb passen; zusätzliche Energie nur wegen eines niedrigen Marktpreises zu verbrauchen schafft nicht automatisch einen Nutzen.
Auch ein Speicher benötigt eine konkrete Rechnung. Sind nach Verlusten weniger kWh verfügbar, muss die spätere Verwendung deren Kosten und den entgangenen alternativen Erlös decken. Ein bereits voller Speicher kann weitere Überschüsse nicht aufnehmen. Abregelung, Speicherung und Direktverbrauch sollten deshalb in einer gemeinsamen Zeitreihe verglichen werden.
Diese Fragen gehören an den Vermarkter
Lassen Sie sich anhand eines beispielhaften Monats zeigen, wie Preise, Mengen und Gebühren in die Abrechnung eingehen. Fragen Sie, wer bei negativen Preisen eine Abregelung auslöst, welche technische Steuerung vorausgesetzt wird und wie Ausfälle der Datenverbindung behandelt werden. Prüfen Sie außerdem Laufzeit, Kündigung und die Übergabe beim Anbieterwechsel.
Fordern Sie für die Projektkalkulation mehrere Erlösszenarien an. Ein sinnvoller Vergleich zeigt einen Basisfall und einen schwächeren Vermarktungsverlauf, statt einen einzelnen Börsenwert über viele Jahre fortzuschreiben. So erkennen Eigentümer, wie stark das Projekt auf lokale Stromabnahme angewiesen ist und welche Risiken beim Betreiber verbleiben.
Für ein verpachtetes Dach ist zusätzlich zu klären, ob die eigene Vergütung fest vereinbart oder an Erlöse gekoppelt ist. Marktpreisrisiken des Anlagenbetriebs und die Einnahmen des Immobilieneigentümers sind nicht automatisch identisch.
Bewerten Sie Einspeisemengen zeitlich und vertraglich. Trennen Sie Marktwert, Förderung und lokale Nutzung und prüfen Sie, wie die Anlage auf niedrige oder negative Preise reagieren kann.
