Erzeugung und Verbrauch auf derselben Zeitachse
Die Nennleistung einer PV-Anlage wird in kWp angegeben. Sie beschreibt ihre Leistung unter definierten Prüfbedingungen. Der tatsächliche Jahresertrag in kWh hängt dagegen unter anderem von Standort, Ausrichtung, Verschattung und Verlusten ab. Werkzeuge wie PVGIS können standortbezogene Ertragsschätzungen unterstützen.
Für die Wirtschaftlichkeit muss zusätzlich feststehen, wann diese Energie gebraucht wird. Stellen Sie eine Erzeugungsprognose den Lastdaten gegenüber. Eine Jahresbilanz, in der Erzeugung und Verbrauch gleich groß sind, bedeutet noch keine vollständige Eigenversorgung. Insbesondere Wochenenden, Betriebsferien und Abendbetrieb verändern den vor Ort nutzbaren Anteil.
Zwei oft verwechselte Quoten
Der Eigenverbrauchsanteil beschreibt, wie viel der erzeugten Solarenergie vor Ort genutzt wird. Der Autarkiegrad beschreibt, wie viel des gesamten Strombedarfs durch diese Energie gedeckt wird. Für eine erste Rechnung ohne Speicher lässt sich der Unterschied leicht zeigen.
Angenommen, eine Anlage erzeugt 300.000 kWh im Jahr, das Gebäude benötigt 500.000 kWh und 180.000 kWh Solarstrom werden zeitgleich selbst genutzt. Dann beträgt der Eigenverbrauchsanteil 60 Prozent, der Autarkiegrad aber 36 Prozent. Die übrigen 120.000 kWh Solarstrom werden in diesem Beispiel eingespeist. Beide Quoten beantworten also unterschiedliche Fragen.
Ein transparentes Erlösbeispiel
Nehmen wir für denselben selbst verbrauchenden Betreiber an, dass jede selbst genutzte kWh tatsächlich 0,20 Euro variable Bezugskosten vermeidet. Das ergibt 36.000 Euro im Jahr. Bei einem angenommenen Erlös von 0,06 Euro je eingespeister kWh kommen 7.200 Euro hinzu. Zusammen sind das 43.200 Euro vor Betriebskosten, Finanzierung und Steuern. Alle Preise sind frei gewählte Netto-Rechenannahmen, keine aktuellen Tarife oder Angebotswerte.
Wichtig ist das Wort variabel: Ein fixer Grundpreis verschwindet durch die PV-Anlage nicht automatisch. Auch Leistungspreise sinken nur, wenn sich die abrechnungsrelevante Leistung entsprechend verändert. Bei einer Lieferung an Mieter ist statt einer eigenen Bezugskostenersparnis der vertragliche Verkaufserlös mit seinen zusätzlichen Kosten zu modellieren. Beide Vorteile dürfen nicht für dieselbe kWh addiert werden.
Von der Bruttowirkung zum verfügbaren Geldfluss
Ziehen Sie Wartung, Versicherung, Messung, Überwachung, Vermarktung und gegebenenfalls Pacht ab. Planen Sie außerdem Ersatzinvestitionen und eine nachvollziehbare Entwicklung des Ertrags ein. Bei einer Finanzierung sind Tilgung und Zinsen für die Liquidität zu betrachten; sie erfüllen eine andere Rolle als die technische Lebensdauer.
Eine einfache Amortisationszeit kann den Einstieg erleichtern, vergleicht aber Zahlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten nur grob. Für eine Investitionsentscheidung sollten zusätzlich die jährlichen Geldflüsse und ein passend gewählter Kalkulationszins sichtbar sein. So wird erkennbar, wann das Projekt Geld bindet und wann es Überschüsse erwirtschaftet.
Die Rechnung gezielt unter Druck setzen
Verändern Sie in der Beispielrechnung nur einen Wert: Fällt der Eigenverbrauch von 180.000 auf 120.000 kWh und steigt die Einspeisung entsprechend, sinkt die jährliche Bruttowirkung bei unveränderten Preisen um 8.400 Euro. Diese Rechnung zeigt, weshalb ein möglicher Mieterauszug wichtiger sein kann als ein kleiner Unterschied im Modulpreis.
Prüfen Sie danach einen niedrigeren Strompreis, zusätzliche Anschlusskosten und eine spätere Inbetriebnahme. Dokumentieren Sie jeweils Ursache und Ergebnis. Ein gutes Angebot lässt Sie erkennen, welche Annahmen den größten Einfluss haben und welche durch Messdaten, Verträge oder weitere Planung abgesichert werden können.
Rechnen Sie jede Kilowattstunde genau einmal: als eigene Ersparnis oder als Verkauf. Vergleichen Sie anschließend vollständige Kosten und veränderte Annahmen über denselben Zeitraum.
